Bergell Landschaft mit traditioneller Bewässerung

Auals e Dutgs

Traditionelle Bewässerung in Graubünden

Engadin Bewässerungskanal

Auals e Dutgs

Traditionelle Bewässerung in Graubünden

Puschlav Wasserkanal

Auals e Dutgs

Traditionelle Bewässerung in Graubünden

Aua Viva 2026

Auals e Dutgs 2026 Plakat
Programm Aua Viva 2026
9:00
Helmut Zepik
Begrüssung & Einführung
9:15
Karina Liechti
Zum immateriellen Kulturerbe
9:45
Reto Furter
Bündner "Historikerstreit"
10:00
Paul Grimm
Geschichte Bewässerung Unterengadin
10:30
☕ Kaffee & Gipfeli
11:00
Angelika Abderhalden
Auals Valsot - Wiederinstandstellung
11:30
Steivan Gaudenz
Bewässerungssystem Brail–Zernez
11:45
Guido Casty
Revitalisierung "Ils Dutgs" Flims
12:00
🍽️ Mittagessen
14:00
Daniele Papacella
Historische Kanäle Valposchiavo
14:30
Johann Clopath
Alte Wasserleitungen Trin-Mulin
14:45
Christian Malär
Reaktivierte Gräben in Trin
15:00
Helmut Zepik
Hinterrheinwasserleitung Sils
15:20
Stefan Forster
Podiumsdiskussion
16:00
🥂 Apéro

Aua Viva 2026 – Netzwerktreffen Traditionelle Bewässerung in Graubünden: Bericht mit Links zu den Präsentationen

Am 6. Februar 2026 versammelten sich ca. sechzig Interessierte in der Aula der Schule Thusis, um sich über die traditionelle Bewässerung in Graubünden auszutauschen. Zehn Präsentationen über die Geschichte, zu aktuellen Projekten und sogar über zukünftig geplante Reaktivierungen von Bewässerungsgräben standen auf dem Programm. In die Tagung führte der Organisator des Anlasses, Helmut Zepik, ein. Hatte er selbst die traditionelle Bewässerung erst vor wenigen Jahren "entdeckt", zunächst im oberen Albulatal, erfuhr er im Zuge seiner Recherchen von vielen weiteren Akteur*innen und Projekten. Dabei musste er feststellen, dass im Gegensatz zu den Walliser Suonen die traditionelle Bewässerung in Graubünden in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt ist. Diese einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen waren neben einer Bestandsaufnahme der aktuellen Aktivitäten seine Beweggründe, Aua Viva 2026 zu organisieren.

Als erste Referentin gab Karina Liechti von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz einen Überblick über die Vielfalt der traditionellen Bewässerung in Europa und die immateriellen Aspekte, wie das Wissen um die Techniken, Rituale, Eigennamen, dieses Kulturerbes. Die Herausforderung heute besteht darin, diese Tradition über den Erhalt des Bauwerkes, d.h. des Bewässerungskanals, hinaus am Leben zu erhalten. Dies wird im Rahmen einer Neuorganisation in der Gemeinde Naters im Wallis versucht, wo sich die Wässerer zusammengeschlossen haben und die selbständig arbeitenden Geteilschaften von der Gemeinde unterstützt werden, wie Liechti ausführte.

An eine Auseinandersetzung unter Bündner Historikern vor 25 Jahren erinnerte der Historiker Reto Furter. Diese hatte sich an der Frage nach den Gründen für die sehr arbeitsaufwändige alpine Flurbewässerung entzündet. Im Gegensatz zu Bundi war der damalige Geschichtsdoktorant Furter der Meinung , dass die Bevölkerungszunahme und in der Folge der demographische Druck und nicht klimatische Gegebenheiten zum Ausbau der Bewässerungsanlagen im Spätmittelalter geführt hatten.

Diesen ersten Block vor der Kaffeepause schloss der Historiker Paul Grimm mit einer reich dokumentierten und bebilderten Geschichte der Bewässerung im Unterengadin ab, die von Bewässerungsgesetzen und -plänen aus dem 18. Jahrhundert bis hin zu modernen Metallröhren reichte. Überraschend war die Ästhetik der gezeigten Bewässerungspläne von Ftan (ca. 1775) und Zernez (1835).

Darauf baute Angelika Abderhalden von der Stiftung Pro Terra Engiadina auf, als sie das Projekt Auals Valsot zur Wiederinstandstellung historischer Bewässerungsgräben vorstellte. In Zusammenarbeit mit den betroffenen Landwirten und Gemeindspräsidenten wurde versucht, die früheren Bewässerungsgräben nicht nur zu erhalten, sondern auch für die Bewässerung der Wiesen zu nutzen. Eindrückliche Drohnenaufnahmen, die die weitläufigen Strukturen der früheren Bewässerungslandschaft offenbarten, begleiteten ihre Ausführungen. Schliesslich diskutierte Abderhalden das Dilemma zwischen Entwicklung – "Historische Kulturlandschaften müssen sich weiterentwickeln dürfen" – und Schutz der alten Kulturlandschaft.

Ebenfalls im Unterengadin zwischen Brail und Zernez war Steivan Gaudenz im Kontext seiner Erforschung der alten Kulturlandschaft auf Spuren eines ehemals grossen Bewässerungssystems gestossen, das er mit einigen Karten illustrierte.

Von dort ging es nach Flims und in die Zukunft, zur geplanten Revitalisierung früherer Bewässerungskanäle, der sogenannten Dutgs. Guido Casty, Vizepräsident der Gemeinde Flims, schilderte die Beweggründe und Bestrebungen der Gemeinde. Neben der Förderung der Biodiversität und der Wertschätzung für die technischen Leistungen früherer Generationen sind die Dutgs auch als Ersatzmassnahmen für die Gemeinde wichtig. Es war sehr interessant, die Perspektive einer politischen Gemeinde im Vergleich zu den historischen und aktuellen Akteur*innen und Aktivistinnen zu erfahren. In einem nach Aua Viva produzierten Film im verschneiten Fidazer Wald beschreibt Casty das Projekt, das am letzten Abstimmungssonntag angenommen wurde.

Auch im Puschlav musste bewässert werden, wie der Historiker Daniele Papacella anhand von sehr unterschiedlichen Situationen vermittelte: bei der Streusiedlung Cavaione am steilen Hang auf 1200–1500 Höhe wurden die zahlreichen Terrassen bewässert; auf der Hochebene Selva wurde der Be- und Entwässerungskanal mit Mauern zur besseren Regulierung stabilisiert; in Brusio waren die Bewässerungskanäle im Privatbesitz und schon um 1800 wurde kommerzieller Tabakanbau und später Gemüseanbau betrieben. Papacella schilderte eindrücklich den Schock, den die Bevölkerung im Frühling 1905 erlebte, als das Kraftwerk den Betrieb aufnahm und kein Restwasser floss. Dieser Schock führte zu einem Modernisierungsschub, indem er die Elektrifizierung der Handwerksbetriebe auslöste.

Daran schloss der Trinser Journalist Johann Clopath mit einem Referat über die alten, teils spektakulären und technisch anspruchsvollen Wasserleitungen am Crap Uera bei Trin Mulin. Alte Zeichnungen und eigene, kürzliche Feldforschung und Recherchen gaben einen Eindruck von der Komplexität dieser Konstruktionen. Die Trinser Obstbäume und deren Bewässerung standen im Mittelpunkt der Präsentation des ehemaligen Trinser Försters Christian Malär. Von den ehemals über 900 Obstbäumen, vor allem Birne, im Gebiet Runcal-Quadris waren Ende des letzten Jahrhunderts nur wenige übrig geblieben. Der Landschafts- und Obstbaumpflegeverein Trin konnte dank der Reaktivierung eines Bewässerungsgrabens diese vor der endgültigen Vertrocknung bewahren.

Über die frühere Hinterrheinwasserleitung vom Verlornen Loch bis nach Sils im Domleschg sprach abschliessend Helmut Zepik. Forschungen des Architekturhistorikers Lukas Högl aus den 1980er-Jahren hatten ergeben, dass die Anfänge dieser aufwendig und unter grossen Gefahren gebauten Wasserleitung ins Spätmittelalter zurückgehen. In mehreren Etappen wurde die Wasserleitung mit Galerien und geschlagenen sowie gesprengten Tunneln stabilisiert, bis sie schliesslich sechs Stollen umfasste. Sie war bis in die 1930er Jahre in Betrieb. Heute ist sie weitgehend überwachsen und unbekannt.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsdiskussion mit Angelika Abderhalden, Werner Holzner (Waalgruppe Tirol), Karina Liechti und Daniele Papacella, die von Stefan Forster vom Verein Cultura Graudünden moderiert wurde.

Galerie

Historische Wasserleitung
Bewässerungskanal in Graubünden
Traditioneller Wasserkanal
Suone Bewässerungssystem
Bewässerte Wiesen
Alpine Bewässerungslandschaft
Traditioneller Bewässerungsgraben
Veranstaltungsdokumentation
Teilnehmergruppe
Teilnehmergruppe
Teilnehmergruppe
Teilnehmergruppe
Teilnehmergruppe
Teilnehmergruppe
Teilnehmergruppe
Detailaufnahme Wasserkanal

Partner & Unterstützer

Arthur Widmer Stiftung
graubünden Cultura
Amt für Kultur Graubünden
Graubündner Kantonalbank
Parrotia

Kontakt

Dr. Helmut Zepik
Koordinator
AuaViva2026@protonmail.ch