Kategorie: Allgemein

  • Verschwundene Bewässerungsgräben sichtbar machen – die Kartierungen von Markus Weidmann

    Markus Weidman, Geologe aus Chur, kartiert seit einigen Jahren Bewässerungssysteme im Alpenraum, unter anderem auch im Gebiet Flims-Trin. Er kartiert primär aufgrund des detaillierten Höhenmodells swissALTI3D monodirektional, welches seit einigen Jahren auf der Website von swisstopo öffentlich zugänglich ist. Ergänzend verwendet er eine grosse Vielfalt von weiteren swisstopo-Karten (Landeskarten, Siegfriedkarten, Luftaufnahmen, usw.)

    Das Höhenmodell swissALTI3D monodirektional stellt die Oberfläche der Schweiz ohne Bewaldung und ohne Bebauung dar. Es wirkt wie eine Röntgenaufnahme des Geländes – und es kann unsichtbare Bewässerungskanäle sichtbar machen.

    Einführung in das «Höhenmodell swissALTI3D monodirektional»

    Luftaufnahme der Lokalität «Gîte de Champlong» (westlich von Bourg-St-Pierre, Val d’Entremont VS). Gewisse Bewässerungskanäle sind nur undeutlich, andere gar nicht zu erkennen. Sie werden von Spuren, die weidendes Vieh erzeugt, überprägt. Luftaufnahme © swisstopo

    Die Lokalität «Gîte de Champlong» (westlich von Bourg-St-Pierre, Val d’Entremont VS) im Höhenmodell «swissALTI3D monodirektional» der swisstopo (gleicher Geländeausschnitt wie in der obigen Luftaufnahme). Das Gelände erscheint, als ob es geröntgt worden wäre; die Bewässerungskanäle sind deutlich zu erkennen. © swisstopo

    Das von Markus Weidmann aufgrund des Höhenmodells «swissALTI3D monodirektional» kartierte lokale Bewässerungssystem. Lokalität «Gîte de Champlong» (westlich von Bourg-St-Pierre, Val d’Entremont VS; gleicher Geländeausschnitt wie im obigen Höhenmodell «swissALTI3D monodirektional»). Luftaufnahme © swisstopo

    Zur Detailkartierung Flims – Trin GR

  • Aktive Bewässerungsgräben im Valposchiavo?

    Aktive Bewässerungsgräben im Valposchiavo?

    In seiner Präsentation bei Aua Viva 2026 über die Solcs im Valposchiavo hatte Daniele Papacella erwähnt, dass auf manchen Maiensässen im Valposchiavo noch alte Bewässerungsgräben genutzt werden. Ausgestattet mit ein paar Kontakten und Hinweisen habe ich mich in diesem Sommer auf den Weg gemacht, um diese Bewässerungsgräben zu finden.

    Eine Spur führte nach Selva, ein Maiensäss auf 1400 m Höhe, oberhalb von Li Curt. Auf der Karte erkennt man bereits die geradlinige, kanalartige Fortsetzung eines Bergbachs über eine flache Wiese, der sich dann ins Val da Selva ergiesst.

    Frühere Seitengräben kann man höchstens erahnen, auf der Alti3D-Karte, auf die ich dank den Kartierungen von Markus Weidmann aufmerksam geworden bin, werden sie sichtbar. Diese Spuren lassen vermuten, dass hier noch bis vor ein paar Jahrzehnten bewässert wurde.

    Am nächsten Tag nahm sich Otmaro Beti vom Biohof Li Taiada trotz einer Schlammlawine, die in der Nacht einen Weidezaun eingerissen hatte, Zeit, mir intakte Bewässerungssysteme im Gebiet vom Val Agonè zu zeigen. In Plan dagli Tegi wird Wasser von einem Bergbach abgeleitet und fliesst dann langsam im etwas höher gelegenen Graben durch unwegsames Gelände und später unter der Hauptstrasse hindurch auf Wiesen beim Lagh di Campasc.

    Ebenfalls beim Lagh di Campasc befand sich bis vor wenigen Jahren eine zweite Bewässerungsvorrichtung, und zwar in der Mauer rechts vom Bergbach. Durch eine Öffnung in der Mauer, die als Abfluss diente, wurde Wasser auf die dem kleinen See vorgelagerten Wiesen abgeleitet. Vor ein paar Jahren Jahren jedoch wurde der Bach mit viel Geröll übeschwemmt. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde das Bachbett vertieft, so dass kein Wasser mehr die Öffnung erreicht und die Bewässerung der Wiesen dadurch ausbleibt.

    Wir haben kurz diskutiert, ob man die Maueröffnung bachaufwärts “versetzen” könnte, so dass sie wieder gespiesen würde. Das wäre mit dem entsprechenden Aufwand möglich, aber wer weiss, ob es nicht in ein paar Jahren wieder zu einer Überschwemmung oder Murgang oder ähnlichem kommt und ob sich die ganze Arbeit lohnt. Allein die Pflege der historischen Bewässerungssysteme ist sehr arbeitsaufwendig. Hinzu kommt, dass sie ständig von Beschädigung und Zerstörung bedroht sind. Es wundert nicht, dass sie mit der Zeit aufgegeben werden und nur noch Spuren in der Landschaft auffindbar sind.

    Dass jedoch der Niederschlags- und Wassermangel zunehmend zu einem Problem wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Wie Otmaro erwähnte, waren bis vor ca. 20 Jahren noch tiefe Temperaturen und Frostnächte bis in den Frühsommer das Hauptproblem für die Landwirte. Während die Temperaturen mittlerweile gestiegen sind, bewirkt die zunehmende Trockenheit, dass die Wiesen bereits im August so vertrocknet sind, dass sie von den Kühen verschmäht werden.